Das tust du dir mit einer schlechten Körperhaltung an

In Uncategorized by maria

Rückenprobleme sind ein echtes Volksleiden. Ein steifer Nacken, eine verklemmte Brustwirbelsäule oder Schmerzen im Lendenwirbelbereich – fast jede zweite in Deutschland lebende Person leidet regelmäßig an Rückenschmerzen, so eine 2016 geführte Statista Umfrage (1). Lediglich 15% aller Befragten gaben an, im Vorjahr keine Rückenschmerzen verspürt zu haben. Ärzte, Physiotherapeuten und selbst Psychologen sehen den Hauptgrund für diese Leiden in einer schlechten Körperhaltung, die vor allem durch den exzessiven Gebrauch von Smartphones entsteht.

Smartphones und Computer verlangen der Körperhaltung viel ab

Generell zeichnet es sich ab, dass die Nutzung technologischer Geräte nicht zu einer guten Körperhaltung beiträgt. Zum einen deshalb, da wir viele Geräte wie Laptops, PC und Notebooks im Sitzen bedienen. Unser Körper ist für einen aufrechten Gang und Bewegung konzipiert, für das Laufe, Springen und Strecken. Bewegungsmuster, die heute nur selten in den modernen Lebensstil passen.

Zum anderen zwingen uns Geräte wie Smartphones oder Handheld-Konsolen, unseren Kopf zu senken. Während des Arbeitens am Schreibtisch steuern ein erhöhter Monitor und ein ergonomisch designter Bürostuhl einer schlechten Körperhaltung vielleicht noch entgegen. Das Smartphone liegt stattdessen in der Hand und wird auf Bauch- oder Brusthöhe gehalten – keine guten Voraussetzungen für eine natürliche Kopfhaltung.

Sieht man sich die nackten Zahlen an, wird dies noch deutlicher. Im Extremfall neigt sich der Kopf beim Gebrauch eines Smartphones um 60° nach vorn. Bei einem durchschnittlichen Kopfgewicht von 4,5kg bis 5,5kg kann dadurch eine Belastung von bis zu 27 Kg auf die Wirbelsäule einwirken. Das Resultat ist ein permanenter Rundrücken oder auch „iHunch“, zu deutsch “iBuckel”, wie ihn der neuseeländische Physiotherapeut Steve August nennt (2).

Schlechte Körperhaltung beeinflusst Körper und Psyche

Der übermäßige Gebrauch von Smartphones, Laptops und Co transformiert unsere Körperhaltung. Neben dem „iHunch“ oder dem „text neck“ sind es vor allem hängende Schultern und ein nach vorn geneigter Körper, die permanente Rückenschmerzen verursachen. Die gesundheitlichen Schäden sind überwiegend bekannt. Weniger geläufig sind die psychologischen Veränderungen, die eine schlechte Körperhaltung verursacht. Die „Brazilian Psychatric Association“ veröffentlichte 2010 einen Bericht, der die Körperhaltung von depressiven Menschen analysiert (3). Das Resultat: die Haltung depressiver Menschen gleicht der des „iHunchs“ erschreckend genau.

Fakt ist, eine schlechte Körperhaltung spiegelt nicht nur unsere innere Gefühlswelt wider, sie beeinflusst diese auch unmittelbar. Mehrere Studien zeigen, dass eine zusammengesunkene und gekrümmte Haltung unsere Stimmungslage, das Selbstbewusstsein (4), unsere Entschiedenheit und Motivation und sogar unsere Sprach- und Gedächtnisleistung (5) negativ verändert. Doch welche Folgen kann eine konstant schlechte Haltung verursachen?

– erhöhtes Verletzungsrisiko durch eine schwache bzw. verhärtete Rückenmuskulatur

– eingeschränktes Lungenvolumen durch einen gekrümmten Oberkörper

– größere Müdigkeit durch geringeren Sauerstofftransport

– Charisma und Ausstrahlung leiden

– Selbstsicherheit, Durchsetzungsvermögen und Entscheidungsfreude verringern sich

Körperhaltung ist wichtiger als Körperform

Die Frage nach dem „Warum“ viele Menschen eine schlechte Körperhaltung entwickeln kann allerdings nicht nur an Smartphones und anderen Portables festgemacht werden. Falsches und zu langes Sitzen sowie fehlende Bewegung gehören gleichermaßen zu Faktoren, die die Körperhaltung verschlimmern. Die „British Chiropractic Association“ räumt zudem mit dem Mythos auf, die Körperform entscheide darüber, ob man an Rückenschmerzen leidet oder nicht (5). Chiropraktiker Tim Hutchful sieht vor allem bei Frauen eine zu starke Fokussierung auf die eigene Körperform, statt an der Körperhaltung zu arbeiten.

Das kannst du gegen eine schlechte Körperhaltung tun

Wer bereits mit einer schlechten Körperhaltung und den dadurch entstandenen Rückenschmerzen zu kämpfen hat, kann aktiv und effektiv etwas dagegen tun. Bereits kleine Veränderungen können eine große Wirkung erzielen: über Kopfhörer oder Headset telefonieren, den Computermonitor auf Augenhöhe einrichten und die Tastatur möglichst nahe an Körper und auf Höhe der rechtwinklig aufliegenden Arme bringen. Regelmäßige Streck- und Lockerungsübungen im Alltag einbauen. Warum nicht beim Telefonieren ein paar Schritte gehen?

Stabilisations- und Haltungsübungen aktivieren die Tiefenmuskulatur, die den Rücken nachhaltig stützt. Haltungstrainer helfen dabei, auch im Alltags- und Berufsleben den Körper an eine bessere Haltung zu erinnern und durch Low-Intensity-Training die Muskulatur kontinuierlich zu stimulieren. Eine gerade Haltung ist essentiell für unser physiologisches und psychologisches Wohlbefinden. Daher ist es wichtig, aktiv gegen eine schlechte Körperhaltung vorzugehen. Auch um etwas präventiv gegen 

1 https://de.statista.com/infografik/8488/rueckenschmerzen-in-deutschland/

2 https://www.nytimes.com/2015/12/13/opinion/sunday/your-iphone-is-ruining-your-posture-and-your-mood.html?_r=0

3 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21308258

4 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24577937

5 http://www.huffingtonpost.com/edith-ismene-nicolaougriffin/sit-up-straight-the-menta_b_7338440.html

6 https://chiropractic-uk.co.uk/are-you-a-spoon-or-a-bridge/